Browning Kopfrutentest Z16

Spieglein, Spieglein an der Wand, habe ich die beste Pole in der Hand?


Für 2018 hat sich Browning viel vorgenommen. Es sollte ein würdiger Nachfolger der Z12 und Z14 werden. Echte
13m bei einem Eigengewicht von nur 782 Gramm. Bei diesen Angaben habe ich gleich die Ohren gespitzt. Ein
radikal neues Design wurde entwickelt. Das Topkit hat ein ca 65cm langes paralleles Zusatzelement mit drin, um
variable Kitlängen zwischen 1.95m und 2.6m zu erreichen.

Sensas Team-Angler Patrich Friedrich begleitete mich und durfte hier mal als Fotomodell herhalten. Er zeigt auf
dem Bild den Unterschiedzwischen dem parallelen Teil der Z16 (oben) und der gleichen Erweiterung für die Sphere
Zero-G Ruten. Die Z16 Erweiterung ist kürzer undtatsächlich parallel, während die Kit-Erweiterung der Zero-G
konisch und länger ist.

Sie passen damit auch nicht untereinander, da jedes Modell ein eigenes Konzept hat. Gut gelungen ist auch der
verstärkte Bereich für den slotted Ausgang, der sowohl auf dem kurzen 1.95m Kit, als auch auf der Mini-Verlängerung
drauf ist.

Die kurzen Kits sind wirklich ultra steif und stark vorgekürzt. Browning hat die Rute für das Angeln auf ihre
sogenannten F1-Hybriden ausgelegt. Wir würden K3 Satzkarpfen dazu sagen. Die Pole ist damit KEINE klassische
High-Endrute für das schnelle Angeln auf Plötzen. Ich sehe sie mehr als Allrounder auf sehr hohem technischen Niveau,
jedoch nicht als echten Nachfolger der Z12 oder Z14. Das hohe Niveau der Carbonverarbeitung sieht man auch an den
sorgfältig eingeschliffenen Steck-Übergängen bei der Sphere Zero-G und der Z16.

Keine scharfen Kanten sind zu sehen und zu fühlen. Die Kante ist leicht angebrochen und man spürt sie kaum
beim Gleiten durch die Hand. Die Formschlüssigkeit der Steckübergänge ist erstklassig. Die Carbon-Verstärkungen
zum Schutz gegen Überlastung sind auch nur dort angebracht, wo sie dringend erforderlich sind. Jedes Gramm
Carbon wurde sorgfältig geplant und auf ein nötiges Minimum reduziert. Der Steckübergang beträgt ca 11cm.
Dann sitzt das Rutenteil straff drauf. Die Diamant geschliffene Oberfläche der Rutenteile verleiht dem Modell
ein sehr edles Finish und sieht professionell aus.

Wie macht sich die Rute im Anschlag? Stimmen die Vorschusslorbeeren "ultrasteif" und "perfekt ausgewogen".
Patrick sollte es für mich testen und mir seine Meinung ebenfalls wieder geben. Er selbst fischt als Referenz das
Topmodell von Sensas (Parallel 95XL-SW) und hat damit einem unmittelbaren Vergleich zu einer echten 13m Rute.

Begeisterung sieht anders aus... Ich schaue mir das noch mal von der Seite an und versuche es mit
der Kamera einzufangen.

Was ist das? Eine Banane? Waren unsere Erwartungen zu hoch? Außerdem knackt die Rute unangenehm
im Carbon im Anschlag. Man spürt es deutlich im Handteil und hört es auch. Es klingt, als ob eine Carbon Wicklung
springt oder platzt. Das Geräusch kommt auch nicht vom Kit oder schlecht zusammengesteckten Rutenteilen.
Wir haben dann mal ein anderes Kit draufgesteckt. Das Knacken im Carbon beim Anschlag bleibt und liegt irgendwo
zwischen Teil 6 und 8. Einen Belastungstest haben wir uns dann gleich verkniffen.

Die Carbon verstärkten „Griffbereiche“ an den bruchgefährdeten Stellen am Kit 4 und 5 müssen unbedingt
noch erwähnt werden. Hier hat Browning erfolgreich umgesetzt, was Sensas nicht begreift. Seit Jahren spreche ich
das Thema Absteckhilfen an den Kits immer wieder an. Eine minimale Erhöhung des Gewichts durch eine zusätzliche
Wicklung bringt mehr Sicherheit und Innovation im Kopfrutenbau. Oben auf dem Bild ist gut zu erkennen, dass die
Zusatzcarbonwicklung in dem Bereich ist, wo man mit der nassen Hand zugreift und dann das Kit auseinander zieht.
Dort ist das Rutenteil druckfester, jedoch nicht angerauht. Auch am Steckübergang sieht man die Professionalität. Nur
ein minimaler Bereich im Steckübergang hat die Zusatzwicklung drauf. Gewicht wurde gespart wo es sinnvoll ist.

Stolz ist man zu recht auch auf die 2-1 Hülse. So kan man wahlweise einen dicken Hohlgummi fischen, wenn man
die schwarze Hülseherauszieht, oder für feinere Gummizugmonatgen bis 1.4mm kann man die schwarze Hülse
verwenden. Dank der schwarze Hülse erschlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einem reduziert sie das Eindringen
von Wasser in die Spitze und zum anderen hält es den Gummizug soweit wie möglich von der Ruteninnenwand entfernt,
damit dieser besser gleiten kann.

Auf der Vergrößerung sieht man deutliche Deformationsspuren am weißen PTFE und an der schwarzen PTFE
Hülse. Offenbar haben wir hier auch Messemuster bekommen, wo Kunden schon an der Düse oben rumgefummelt
haben und diese mit den Fingernägeln aus Neugier zerkratzt wurden. Bei Neuware sollte dieses Detail sauberer
aussehen.

Die technische Disziplin - Vermessen der Ruten und Ermitteln des Balancewertes.



Auch hier hatte mir Patrick Friedrich mit mit einer tollen Zuarbeit geholfen. Er hatte nach dem Vorbild der Sensas
Balancewage eine ähnliche Apperatur gebaut, die nach dem Messtandard von Reglass arbeitet. Die Pole wird exakt
ein Meter vom Rutenende gewogen. Eingebaute Wasserwaagen halfen beim Justieren der Waage. Zum Schluss
wurde noch der Aufnahmepunkt am Rutenende mit der Wasserwaage ausgerichtet, bis die Sensas 95XL SW den
gleichen Referenzwert  auf der Waage anzeigte, wie ich es im Sensas Werk ermittelt hatte. Mit dieser Feinjustierung
wollen wir nun die neuen Browning-Kopfruten bewerten und vergleichen.

Die Z16L wurde mit einem Balancegewicht von 3663 Gramm gemessen. Damit hat Browning sein Wort gehalten.
Die Rute ist super gut ausbalanciert und wenn man das Balancegewicht mit Wettbewerbsruten vergleicht
(Maver Superlithium, Maver 699, Sensas 95XL, Colmic Superior) muss man neidvoll eingestehen, dass man eine Rute
gebaut hat die nur halb so teuer ist und ähnlich gute technische Werte hat.

Entäuscht hat mich dann die krasse Abweichung zum versprochenen Eigengewicht. Die Waage ist 1 Gramm genau
und stimmt auch recht gut mit den Referenzwerten anderer Ruten überein. Im Katalog werde 782 Gramm  bei der
Z16 versprochen.
  Auf unserer Waage sind es 823 Gramm. 41 Gramm Unterschied. Das wiegt ein 2.6m langes Kit!

Wir können es nicht erklären. Vielleicht liegt es an dem Messemuster. Vielleicht musste das erste Modell ähnlich der
ersten Black Magic Telerute nachgebessert werden, damit es bruchfester wird. 41 Gramm Eigengewicht sind nicht
ein paar Carbonwindungen und die Rute wurde auch nicht mit Endkappenoder montierten Clean Caps gemessen.
Hier passt was grundsätzlich nicht.


Dann folgte das Vermessen der Rutenlängen mit einem Laserpointer und einer Reflektorwand.

Auch hier können wir der Rute eine ehrliche Länge von 12.78m bestätigen, wobei die Z16 in der Spitze erheblich
eingekürzt wurde, damitman gleich einen Hohlgummi einziehen kann. Die Browning Z16 wäre sonst sicher länger
als 13m geworden.

Um das besser zu verdeutlichen haben wir die Spitzen mal fotografiert. Dort sieht man dann mehr als deutlich,
dass Browning die dicksteSpitze im Testfeld hatte. Browning optimiert die Ruten für die Angelei und nicht für
meine Testberichte. Um so  mehr geht es für mich in Ordnung, dass diese Kopfrute nicht ganz die 13m erreicht,
obwohl es versprochen wurde. Das Potential dazu wäre vorhanden gewesen.

Was man auf dem Bild jedoch nicht gleich wahr nimmt, ist die Abweichung zur Ideallinie. Wie bei dem Foto der
Z16 über der Wasseroberfläche zu sehen ist, hängt dieses Modell im Vergleich zur Sphere Zero-G F1 Plus und
auch zur Sensas und Maver deutlich mehr durch. Dies spiegelt sich auch in dem weicherenn Anschlag wieder.
Ich habe schon viele Kopfruten der Spitzenklasse getestet. Noch nie war eine dabei, wo der Spagat aus technischem
Parametern  und gefühlten Anschlagverhalten soweit auseinander triffteten.
Ich kann einfach nicht verstehen, wie erfahrene Team-Angler auf internatinalen Messen in die Kamera lächeln und
der Welt erklären noch nie was besseres in der Hand gehabt zu haben.

Um auch zu demonstrieren, warum die Z16 nur eine Allrouder ist, möchte ich das Anschlagverhalten mal zeigen.
Hier sieht man deutlich die Schwäche und hört auch das Knacken des Carbons unmittelbar beim Anschlag.


Um aufzuzeigen, dass es besser geht habe ich nicht tief in die Trickkiste greifen müssen. Durch meine jahrenlangen
Erfahrungen zu Kopfruten und wie es auch hinter den Kulissen läuft, kann ich hier Hilfestellungen geben, um Produkte
zu verbessern oder aufzupimpen, wie es umgangssprachlich jetzt heißt. Die Z16 ist bezüglich seiner Kits komplett
kompatibel zur Sensas Serie 4 und 5 bis einschließlich Teil 5. Siehe Foto

Der Steckübergang des Kits beträgt 9cm. Anders ist das beim Z16 Xitan Kit ebenfalls nicht.


Auch die 5-teiligen Maverkits mit der Suncore Oberfläche passen. Hier wird der Steckübergang  sogar
bis 11cm ausgereizt. Fairer weise muss man jedoch auch dazu sagen, dass NUR die 5-teiligen Kits von
Maver passen. 4-teilig passt nicht und stellt damit keine echte Alternative dar - sondern nur eine Notlösung.

Um das ganze dann auch zu belegen und nicht nur Sprüche zu klopfen haben wir dann die Z16 mit einem
Sensas SW getestet. Der Unterschied ist so krass und erheblich, dass man eigentlich für West-Europa ein anderes
Bundel rausbringen müsste. Während die Carpodrom-Angler in UK derartige Ruten lieben, möchten wir Deutsche lieber
Kopfruten haben, die auch schnell in der Rutenaktion sind, OHNE so heftig nachzuschwingen. Vielleicht könnte ja
Browning auch nachbessern und ein Europa-Bundel und ein UK fertigen. Dann würde die Z16 sich noch mehr Liebhaber
am Wasser finden. Ich zeige nun mal in meinem Youtube Clip, dass es mit der Z16 auch anderes und besser geht.

Kurz zur Erklärung. Das 4-teilige Kit der der Z16 wiegt 177 Gramm, während das Sensas SW Kit bei gleicher
Länge nur 172 Gramm auf der Waage anzeigt. Ich habe bewusste kein leichteres Sensas Competition
oder Super Competition Kitverwendet, damit beide Kits von den Eigenschaften her ähnlich bleiben. Im
Video sieht man schön, dass die Rute deutlich weniger bis ins Teil 7 nachschwingt und sich sehr viel
schneller beruhigt. Sowas in der Art würde ich mir für den deutschen Markt wünschen.

Die Abweichung zur Ideallinie habe ich mit einem Laserpointer von Bosch ermittelt. Die Ideallinie
wäre die Handteilmitte und der Auflagepukt wieder die Waage in 1m Abstand. Da der Laserpointer
auf dem Handteil parallel drauf liegt, habe ich dann die 3.5cm Differenz zur Handteilmitte wieder
abgezogen. Damit wurden alle Ruten mit dem gleichen Meßfehler untersucht. Für die Z16 habe
ich dann bei voller 13m Rutenlänge eine Abweichung von 48.5cm zur Ideallinie ermittelt.
Für ein derartiges Topmodellist dieser Parameter nicht zufriedenstellend und spiegelt auch das
weichere Anschlagverhalten wieder. Vielleicht mögen das ja die Englander. Meinen Anspruch
trifft es jedenfalls nicht.

Als nervig empfand ich auch die dicken Rutenendkappen. Das Gummi dieser Kappen ist so dick,
dass das Angler bei kalten Wetter die Dinger einfach nicht vom Handteil runterbekommt, ohne
Schaden anzurichten. Bei der Sphere Zero-G F1 Plus sind ebenfalls derart dicke Kappen bei,
die die Rute so gut schützen, dass man deren Rutenteile einfach nicht auspacken kann, bevor
die Sonne das Carbon und den Gummi erwärmt haben. Bis zur Serienproduktion sollte das
nachgebessert werden.

Ungewöhnliche Luftblasen unter der Oberflächenlackierung sieht man beim 11.5m Handteil.
Hoffentlich ist das der Musterproduktion noch geschuldet. Bei keinem anderen Rutenteil konnte ich
derartige unschöne Luftblasen entdecken. Das Problem liegt nur beim 11.5m Handteil vor.

 Beim Testen der Z16 kam mir noch eine Idee, wozu man die 60cm Parallelverlängerung des Z16 Multikits noch
verwenden könnte. Dieses 20 Gramm leichte Zwischenstück passt auf das C-Zeil der Xitan, 2exs und Z16.
Damit kann man nun ein Dilemma aus der Welt schaffen, dass die zu kurzen 2exs Ruten (12.31m) für kleines
Geld auf echte 13m verlängern kann, ohne eine schwere Mini-Extension hinten ranstecken zu müssen.
browning z16 parallel element

Dieses Problem der zu kurzen Ruten hat nicht nur Browning. Auch die Sensas Angeler können davon profitieren.
Das Teil passt wie Arsch auf Nachttopf auf alle Sensas Kopfruten der Serie 2,3,4,5 und 6 und man hat Dank
der Carbonverstärkung in der Mitte die zusätzliche Option, sich ein Pulla-Kit mit Seitenausgang zu bauen,
ohne die Originalkits zu zerbohren. Danke Browning - das nenne ich mal eine gelungene Innovation.
Dieses Zwischenstück kostet 65.90EUR und kann man über diesen Link im Matchangler-Shop bestellen.

Zusammenfassung der technischen Daten zur Z16:
Reale Rutenlänge 12.78m
Eigengewicht 823 Gramm
Kit 3-teilig: 107 Gramm
Kit 4-teilig: 177 Gramm
Abweichung zur Ideallinie 48.5cm
Balancegewicht: 3662 Gramm
Transportlänge: 1.90m

Für die Z16 können Wir Ihnen ein limitiertes Sonderangebot anbieten.

Danksagung an: Fa Zebco, insbesondere Rainer de Boer, Dietmar Isaiasch für die
Bereitstellung der Kopfruten zum testen und bewerten.
Danke an den Team-Angler Patrick Friedrich, der mich großartig mit einer
Balancewaage sowie beim Testen und erfassen der Messergebnisse  unterstützt hat.

Wir haben sehr viel Zeit und Aufwand betrieben, um Ihnen einen Blick hinter die Kulissen
zum Thema Kopfruten zu ermöglichen. Wir wiürden uns im Gegenzug freuen, wenn Sie uns
auch Minute spendieren und eine Bewertung bei google oder Facebook hinterlassen.
Benutzen Sie bitte dafür die Logos für Google + Facebook. Zufriedene Kunden bewerten
uns nur selten. Es sind immer nur die Nörgeltaschen, die noch eins Draufhauen,
wenn mal was nicht geklappt hat.

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(c) Text und Bildmaterial Maik Fiebig -Matchangler-Shop

 

 

Tags: kopfruten,, testbericht,, Browning Z16, sphere

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